Das Mp3-Kolleg

mp3-Kolleg
Claus Christian Schroeder

"Unser Kopf ist rund,
damit das Denken die Richtung ändern kann"

(Francis Picabia)

Über mich

Ein im Jahr 2004 geführtes Interview mit Claus Schroeder finden Sie auch unter diesem Link

Eine kurze Kritik der Vorlesungen finden Sie hier


Claus Christian Schroeder Ich bin 1938 in Berlin geboren und während des Weltkriegs im thüringischen Jena aufgewachsen. Nach der Flucht von dort (1947) bin ich in Frankfurt am Main und Bad Homburg zur Schule gegangen, wo ich 1959 mein Abitur machte.

Nach verschiedenen Tätigkeiten als Arbeiter und Praktikant in der Industrie, im Bank- und Dienstleistungsgewerbe begann ich 1960 an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt zunächst Mathematik, Physik und Philosophie zu studieren (ich wollte damals allen Ernstes Atomphysiker werden!), landete aber nach einigen Semestern versehentlich in einem falschen Hörsaal, wo eine Vorlesung über Optische Täuschungen stattfand.

Ohne zu wissen, dass es sich dabei um Psychologie handelte, war ich davon ungemein fasziniert. Und so kam es, dass ich schließlich umsattelte und fortan Psychologie (bei Edwin Rausch und später bei Alexander Mitscherlich), Soziologie (bei Adorno und Horkheimer), weiterhin auch Philosophie (vor allem bei Wolfgang Cramer) studierte, ohne das Interesse an der Theoretischen Physik und den Naturwissenschaften ganz aufzugeben.

Um das Studium und meinen Lebensunterhalt zu finanzieren, war ich gleichzeitig Manager eines Frankfurter Hotels, denn da ich in Hotels aufgewachsen bin (mein Vater war Hotelier), war die Gastronomie das einzige, wovon ich als Abiturient wenigstens eine gewisse Ahnung hatte. So hat es halt 17 Semester gedauert, bis ich meine Diplomprüfung im Fach Psychologie ablegte.

Einer meiner Prüfer, Prof. Dr. Kurt Müller, hatte da gerade einen Ruf auf den Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München erhalten und mich kurzerhand als Wissenschaftlichen Assistenten angeworben.

Ahnungslos wie jeder, der direkt nach dem Examen plötzlich an einer Hochschule irgend etwas unterrichten soll, ohne das mindeste darüber gelernt zu haben, wie man das denn macht, begann ich gegen Ende des wilden Jahres 1968 zunächst einmal damit, den Münchner Studierenden Statistik, Phänomenologie sowie mathematische und experimentelle Methoden der Psychologie beizubringen.

Mir wurde - besonders unter den turbulenten Bedingungen der damaligen Zeit - schnell klar, dass ich, um dies einigermaßen kompetent bewerkstelligen zu können, erst einmal noch weiter studieren musste (was ich auch tat); und selbst nach über 35 Jahren akademischer Lehrtätigkeit - nicht nur an der Münchner Universität, sondern auch an verschiedenen anderen Hochschulen (z. B. der einstigen Heeresoffiziersschule München, der Bayerischen Theaterakademie, der Hochschule für Fernsehen und Film, der Akademie der Bildenden Künste, der Bayerischen Polizeiakademie oder der Münchner Volkshochschule) - bin ich wohl bis heute ein ewiger Student geblieben (mittlerweile ungefähr im 89. Semester), ohne jemals Professor - und damit Beamter ! - werden zu wollen.

1970 erhielt ich einen Lehrauftrag "für mathematische und theoretische Grundlagen der Allgemeinen Psychologie", und weil man sich darunter nun wahrlich alles mögliche vorstellen konnte, war ich sofort entschlossen, diesen als eine Art Freibrief dafür aufzufassen, ganz ungeniert zwischen den sonderbaren Grenzpfählen der Fakultäten wildern zu dürfen.

Denn Denken und Verstehen hieß für mich stets vor allem: Verbinden, Verknüpfen, Zusammenhänge aufzuspüren; nicht nur fachspezifische Daten und Fakten aneinander zu reihen, sondern auch den Horizont der geistigen Erfahrung auszuweiten; nicht nur nach abstrakten "Universalien" zu fahnden, sondern auch den Blick für Unterschiede und Differenzen zu schärfen.

Ich habe mich nie als "Informationsvermittler" verstanden (denn kein lebendes Wesen nimmt Information auf, bloß um sie zu "speichern"), sondern als jemand, der das Staunen über und die Neugier auf jene plötzlichen, erhellenden Kollisionen zu wecken sucht, welche ungewohnte Bewegungen des Denkens in unseren Köpfen auszulösen vermögen. Mein - zweifellos nur selten erreichtes - Ideal wäre stets gewesen, dass nach jeder einzelnen Vorlesung niemand den Hörsaal so verlässt wie er ihn betreten hat: ob er sich danach zornig oder begeistert, verwirrt oder belustigt, von "Aha-Erlebnissen" beflügelt oder von bohrenden Zweifeln befallen findet, ist für mich von ebenso geringer Bedeutung wie die Frage, was er vom Inhalt meines Vortrags behalten hat, sofern nur überhaupt etwas in oder mit ihm passiert ist, das ihn weiter beschäftigt, irgendeine - sei es auch noch so geringfügige - geistige Erfahrung, die ihn verändert.

Ein älterer Hörer, der dies offenbar sehr gut verstanden (und genossen) hatte, schenkte mir einmal ein Poster, auf dem sich ein Porträt des französischen Surrealisten Francis Picabia sowie dessen Ausspruch befand: "Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann." Das trifft genau, woran mir stets am meisten gelegen war.

Tatsächlich ist es einfach gar nicht wahr, dass die Studierenden in ihrer Mehrheit engstirnig darauf fixiert seien, möglichst schnell und möglichst geradeaus den gut ausgeschilderten Trampelpfad zum Examen hinter sich bringen zu wollen, ohne sich für geistiges Wachstum, einen breiteren Erkenntnishorizont oder gar für das Vergnügen zu interessieren, das die Benutzung selbst exotischer Seitenpfade des Denkens verheißt.

Im Gegenteil: Das entschieden transdisziplinär angelegte Programm meiner Lehrveranstaltungen - über Kybernetik oder Mythologie, chinesisches Denken oder Quantenmechanik, Systemtheorie oder Sartres Phänomenologie, Politische Psychologie oder Wissenschaftstheorie, moderne Biologie oder die Kritische Theorie der Frankfurter Schule - fand über eine Zeitspanne von mehr als 35 Jahren hinweg stets außerordentlich reges Interesse.

Meine Überzeugung, dass dieses Verlangen nach fachübergreifenden Perspektiven noch immer besteht, hat mich dazu bewogen, die Tonaufzeichnungen einiger meiner Vorlesungen zu digitalisieren und einem daran interessierten Publikum zugänglich zu machen, nachdem ich 2003 in den Ruhestand getreten bin (aber weiterhin an der Münchner Universität im Rahmen des Studium generale und des Seniorenstudiums lehre).

Ein ganz anderer, aber sehr wichtiger und wesentlicher Teil meiner Lehrtätigkeit hat jedoch stets der praktischen Ausbildung der Studierenden gegolten. Fast drei Jahrzehnte lang habe ich ganzjährige Gruppen von jeweils 20 Studienanfängern geleitet, den sogenannten Psychologischen Grundkurs, in dem es in der Hauptsache um den Erwerb sozialer Kompetenzen und die Einübung grundlegender, für den Psychologen-Beruf unerlässlicher Fähigkeiten ging. Wer Interesse an diesem Aspekt meiner Arbeit hat, kann sich den Erfahrungsbericht, den ich darüber verfasst habe, hier kostenlos herunterladen: Grundkursbericht (1.55MB)

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